Förster Hans Hartmann

Ein Försterleben, das auf tragische Weise im Wald der Gemarkung Klarenthal endete

Zwischenstop an der Pyramide am 09.10.2016

Wenn heute ein Wanderer vom Eingang des Schläferskopfstollens in Richtung der Pagenstecher-Schutzhütte geht, dann wird er nach etwa 300 m, links des Weges, eine kleine, aus Feldsteinen gemauerte Pyramide entdecken. Neugierig geworden, wird sich der Wanderer zwischen niedrigem Gebüsch, Farnen und Brombeerranken zu der kleinen Pyramide durchkämpfen, um herauszufinden, wem dieses Denkmal mitten im Wald gewidmet ist. Vielleicht muss er die dort angebrachte Tafel zunächst von Moos befreien, um den Text lesen zu können. Ich habe dies gemacht und stieß auf folgende Inschrift:

 

  Förster Hans Hartmann – 25.01.1927

  wurde an dieser Stelle ein Opfer seines Berufes

Die Inschrift ist nun etwas deutlicher

Als ich diese Inschrift las, war meine Neugier geweckt. Welches Schicksal verbirgt sich hinter dieser rätselhaften Inschrift? War der Förster von einem Wilderer erschossen worden? War er bei Baumfällarbeiten ums Leben gekommen? Kurzum, mein Interesse war geweckt und ich machte mich auf die Suche nach näheren Informationen über das Schicksal dieses Menschen.

 

Zunächst rief ich das Amt der staatlichen Forstverwaltung, genannt Hessenforst, an. Untergebracht ist diese im Forsthaus oberhalb des Chausseehaus, an der Straße zur Hohen Wurzel. Die Antwort lautete:

„Einen Förster Hans Hartmann gab es bei uns nicht, aber fragen Sie mal das Forstamt der Stadt Wiesbaden, denn vielleicht war das ein Förster der Stadt“.

Also fragte ich mich durch zur städtischen Forstverwaltung. Das Stadtforstamt residiert in einem schön gelegenen alten Forsthaus in Kohlheck, am Langendellschlag. Dort konnte man mir auch nicht weiterhelfen, aber ich erhielt die Auskunft, dass man die Personalakten ausgeschiedener bzw. im Dienst verstorbener Mitarbeiter nicht behalte, sondern an das Stadtarchiv abgebe.

 

Im Verlauf meiner Telefonate und Recherchen im Internet lernte ich, dass 25 % der Fläche Wiesbadens von Wald bedeckt sind. Dieser Stadtwald wird von vier städtischen Revierförstereien bewirtschaftet. Lediglich ein schmaler Streifen Wald am oberen Rand des Taunus, der jedoch noch zur Gemarkung der Stadt Wiesbaden gehört, wird im Auftrag der Stadt, vom staatlichen Hessenforst betreut. Also alles gar nicht so einfach!

 

Mein nächster Schritt führte mich nun in das Stadtarchiv. Dort wurde ich rasch fündig. Hans Hartmann war in der Tat beim Forstamt der Stadt Wiesbaden angestellt gewesen. Ich bekam die komplette Personalakte, natürlich gegen Quittung, übergeben, setzte mich in den Leseraum und hatte annähernd 100 Blatt Papier zum Studium vor mir. Vor meinen Augen entfaltete sich das exemplarische Leben eines Försters.

 

Geboren wurde Hans Otto Karl Hartmann am 28.September 1881, als Sohn eines Försters im Forsthaus von Heckholzhausen im Kreis Oberlahn. Nach der Elementarschule begann er eine Forst-und Jagdlehre bei seinem Vater. Das dritte und letzte Lehrjahr absolvierte er in Brandoberndorf. 1899, also mit 18 Jahren, trat er in das Preussische (Hannoversche) Jägerbatallion Nr. 10 ein und verpflichtete sich für 9 Jahre zum Militärdienst, den er 1908 abschloss. Während seiner Militärzeit legte er 1902 das Jägerexamen mit der Note Gut ab. Sehr interessant fand ich die Fragen, die er im Rahmen des Jägerexamens bearbeiten musste. Da käme heutzutage mancher angehende Förster mächtig ins Schwitzen. Nach Abschluss des Militärdienstes und Erhalt des Forstversorgungsscheins (!) trat er im Oktober 1908 den Dienst als Gemeindeförster bei der Stadt Wiesbaden an. Er wurde als Forstaufseher in der Gemarkung Klarenthal eingesetzt. Er heiratete 1912 und 1913 wurde ein Sohn geboren, der das einzige Kind blieb.

Am 25. Januar 1927 kommt er bei Baumfällarbeiten an der Stelle ums Leben, wo heute die kleine Steinpyramide an Hans Hartmann erinnert.

Götz Ostendorff am 10.11.2016