GEGEN RECHTLOSIGKEIT UND UNMENSCHLICHKEIT UNTER DEM NATIONALSOZIALISMUS

Clemens August Graf von Galen (1878-1946)


Mit dem Beinamen »Löwe von Münster« ehrten die Menschen den Bischof Clemens August von Galen. Seit 1934 war er ein bekannter Mann im Deutschen Reich. In Hirtenbriefen wandte er sich damals gegen die Verbreitung der Rassenlehre. Öffentlich verurteilte er unerschrocken die Rechtsbrüche des Nazi-Regimes. Doch erst mit seinen drei Predigten von 1941, in denen er gegen die systematische Ermordung Geisteskranker als »lebensunwertes Leben« auftrat und die im ganzen Reich Verbreitung fanden, traf er die Nazis in ihren eigenen Positionen. Er habe mit seinen Predigten, so hieß es in Parteikreisen, »dem Staat brutal den Krieg erklärt«. Doch wagte es damals keiner, ihn zu verhaften und ihm den Prozess zu machen, da dies im In- und Ausland allzu großes Aufsehen erregt hätte. Erst nach einem gewonnenen Krieg wollte man mit ihm und der ganzen katholischen Kirche abrechnen. Das Dritte Reich brach Gott sei Dank zusammen. lm Februar 1946 erhob Papst Pius Xll. Bischof Galen zum Kardinal. Es war eine Ehrung für seine mutige Haltung unter der NS-Diktatur. Doch plötzlich, am 22. März 1946, verstarb er.

Carl von Ossietzky (1889-1938)

 

Er gilt als „Symbol der physischen Vernichtung Andersdenkender“ im Dritten Reich, wie sich Thomas Mann einmal 1938 in seinem New Yorker Exil äußerte. Widerstand zu leisten gegen
Militarismus und gegen all jene Kräfte, die zu einem Krieg führen könnten, diese Einstellung hatte der 30jährige Carl von Ossietzky aus dem Ersten Weltkrieg zurückgebracht. So setzte er sich nach dem Krieg in verschiedenen Organisationen für den Pazifismus ein. Seit 1927 war er Herausgeber der Zeitschrift „Weltbühne“, die er in diesem Kampf zu seiner Plattform machte. Er schrieb einen glänzenden Stil. Wehe dem jedoch, der unter seine Feder geriet, wozu ins-besondere alle national-chauvinistischen Kreise zählten. Mit seinen Artikeln provozierte er oft persönlichen Hass. Die Nazis z.B. vergaßen seine Angriffe nicht, auch wenn er sie nur mit der Feder bedrohte. Carl von Ossietzky gehörte deshalb zu den ersten Opfern, die am Morgen nach dem Reichstagsbrand verhaftet wurden. Über drei Jahre währte sein Martyrium in den
Konzentrationslagern. Als ihm für das Jahr 1935 der Friedens-Nobelpreis verliehen wurde, versuchten die Nazis ihn zum Verzicht zu bewegen. Er sagte nein und ging lieber ins Gefängnis zurück, als sich zu beugen. Unter strengster Bewachung durch die Gestapo lag er zuletzt todkrank im Krankenhaus. Am 4. Mai 1938 schließlich war sein Leben zu Ende.

Otto Wels (1873-1939)

 

Mit der Verabschiedung des sog. Ermächtigungsgesetzes durch den Deutschen Reichstag
am 23. März 1933 hatten die Nationalsozialisten endlich freie Bahn, ihre politischen Ziele zu verwirklichen. Mit diesem Gesetz hatte die Reichsregierung unter Adolf Hitler völlige Handlungsfreiheit erhalten. Sie nutzte es, um Demokratie und Menschen- und Bürgerrechte in Deutschland auszuschalten. In der entscheidenden Sitzung stimmten allein die 94 Abgeordneten der SPD-Fraktion im Reichstag als einzige gegen dieses Gesetz. Es war der Fraktionsvorsitzende Otto Wels, der in der angeheizten Stimmung die ablehnende Haltung seiner Fraktion begründete. Sein Eintreten für Recht und Demokratie war eine mutige persönliche Intervention zur Rettung der Weimarer Republik. Zum letzten Mal kam es im Reichstag zu scharfen Angriffen auf das Verhalten der Nazis. Doch die deutsche Sozial-demokratie sah sich einer brutalen Unterdrückung gegenüber, die für eine wie immer geartete Opposition keinen politischen Freiraum mehr ließ. »Freiheit und Leben kann man uns nehmen, aber die Ehre nicht« so trat Otto Wels mutig vor die Nazis – und musste nach der Verabschiedung des Gesetzes vor der drohenden Verhaftung ins Exil fliehen.